Von Berlin nach Strakonice

Der lang erwartete Urlaub ist da! Nachdem ich vor fast einem Jahr meinen Fahrradunfall hatte, kann ich jetzt erstmals wieder ohne Bedenken das Land verlassen. Nach einigen Komplikationen scheint mein Schienbeinkopf zu heilen und ich wage mich in neue und alte Gefilde. Da Budapest, wo das Sziget Festival stattfindet, knapp 900km von Berlin entfernt ist, habe ich auf dem Weg zwei Zwischenstops mit Aufenthalt rausgesucht. Und so fahren wir wie immer verspätet um 14.30 Uhr in Berlin los Richtung Süden. Nun gut, fahren ist wohl etwas übertrieben angesichts der Tatsache, dass wir allein 2 Stunden brauchen, um Berlin zu verlassen. Zunächst einmal stehen wir nämlich im Stau. Berlin zeigt sich von seiner schlechtesten Seite. Dann fängt es auch noch an zu regnen…

Wir wurden schließlich lange genug mit Sonne verwöhnt, als der Rest Deutschlands schon abgesoffen ist. Wer braucht schon Sonnenschein im Urlaub??? WIR! Vorlaut hatte ich beschlossen, Geld zu sparen und die ersten 4 Nächte zu zelten, bevor wir – für ein Festival ganz untypisch – ein Hotelzimmer beziehen. Nun gut. Unser Ziel stand fest: Kemp Otava, Strakonice, Tschechien. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich mit meinen Eltern den Sommerurlaub in Strakonice verbracht habe. Aber es hat zumindest so einen tiefen Eindruck hinterlassen, dass ich wieder einmal dorthin wollte. Der letzte Besuch liegt über 15 Jahre zurück. Leider kamen wir im Dunkeln an, nach sieben Stunden Fahrt im strömenden Regen, so dass ich nicht schlecht Lust bekam, mir einfach ein Hotelzimmer zu suchen und in ein schönes kuschliges Bett zu fallen.

Im Camp saßen dann einige Herrschaften um ein kleines Feuer, weil es gerade mal nicht regnete 😉 Zufällig war da auch das Betreiber-Ehepaar dabei und zeigte uns wo wir unser Zelt aufschlagen konnten. Kaum stand es, setzte auch schon der Regen wieder ein und es regnete bis zum nächsten Morgen immer wieder. Irgendwann tropfte es auch uns auf die Köpfe und ich machte mir schon Sorgen, ob wir in der nächsten Nacht ein trockenes Plätzchen zum Schlafen haben würden.

Kemp Otava bei Sonnenschein Regen Regen Regen Hrad Rabi

Nachdem ich dann vormittags mein erstes Buch (Die Kämpferin, Joshua Palmatier) für diesen Urlaub zu Ende gelesen hatte – was soll man bei so einem Mistwetter auch anderes tun, als es sich so gemütlich wie möglich zu machen und ein gutes Buch zu lesen? – machten wir uns auf Entdeckunsgtour… durch den Regen. Der angedachte Besuch im Schwimmbad und auf dem Turm der Burg Strakonice fielen damit schon mal buchstäblich ins Wasser. Also kurvten wir ein bißchen durch die Stadt und die ein oder andere Ecke weckte schon mal Erinnerungen. Aber so groß ist Strakonice nicht und wir machten uns auf nach Sušice. Auf dem Weg dorthin machten wir kurz an der Burg Rabí Halt, aber weil der Aufstieg zu steil und wegen dem Regen zu rutschig war, ging es gleich weiter. Nach Sušice wollten wir dann Richtung Vimperk, wo ich hoffte Kristallgläser kaufen zu können. Früher war die Stadt nämlich laut meinem Papa bekannt dafür. Nach zehnmaligem Durch-die-Stadt-kurven hatten wir die Nase voll und kein einziges Kristallteilchen gefunden. Also zurück nach Strakonice, kurz tschechisches Bier und Hörnchen im Kaufland 😉 einkaufen und ein Restaurant fürs Abendessen suchen.

Klammern ueber Vimperk Blick ueber Vimperk Nektar - Bier aus Strakonice

Wir sind an einigen Restaurants vorbei gefahren und hatten uns dann für eins entschieden, also rein und hingesetzt. Es waren auch viele Leute dort, aber alle haben nur Bier getrunken. Und der Wirt bestätigte dann auch, dass es nichts zu Essen gab, weil zu kalt, oder so ähnlich. Ein Bier haben wir dann trotzdem dort getrunken. Danach sind wir leicht angeheitert weiter gezogen in ein Restaurant mit geschlossener Gesellschaft im ersten Stock und keinem freien Tisch im Erdgeschoß. Nach dem wir dort also auch kein Glück hatten, sind wir wohl oder übel ins nächstgelegene italienische Restaurant gegangen. Nicht gerade das was wir uns erhofft hatten, aber inzwischen knurrten unsere Mägen verdächtig und leicht benebelt waren wir auch vom Bier und natürlich regnete es immer noch in Strömen. Mit vollgefressenen Bäuchen ging es dann zurück zum Zeltplatz, wo wir uns den Rest des Abends mit Kniffeln und Deutsch-Englisch-Tschechisch-Russischen Unterhaltungen mit den Einheimischen vertrieben.